Zwei Arbeiter in Hitzeschutzkleidung.

Führung mit 6 Grundsätzen

Während meines ersten Jahres in einer Führungsrolle (als Teamleitung) habe ich eine Menge Erfahrungen gemacht, bin ziemlich oft auf die Nase gefallen, habe Fehler gemacht und musste viel ausprobieren. Gleichzeitig wurde ich glücklicherweise durch Fortbildungen für Führungskräfte über einen längeren Zeitraum unterstützt. Am Ende einer dieser Fortbildungen mussten alle Teilnehmenden ihre eigenen 6 Grundsätze zur Führung festlegen und präsentieren. Hier ein kurze Zusammenfassung meiner damaligen Präsentation.

(1) Das Ziel erreichen

Meine erste und wichtigste Aufgabe als Führungskraft ist es, Ziele zu erreichen (die meine Organisation mir vorgibt). Bildlich gesprochen können wir das Ziel als einen Berggipfel beschreiben. Gleichzeitig ist der Weg so schwierig, dass eine Person alleine es gar nicht schaffen kann. Wir können die Führungskraft mit einem Bergführer vergleichen, der die notwendigen Personen (mit meist spezialisierten Fähigkeiten) zu einem funktionsfähigen Team zusammenführt, um das Ziel gemeinsam zu erreichen. Der Weg ist möglicherweise gefährlich und unbekannt. Die Gruppe muss davon überzeugt werden, dass der Gipfel ein lohnendes aber auch ein machbares Ziel ist. Zwar müssen auch manchmal Pausen gemacht werden, aber am Ende zählt nur die Zielerreichung.

(2) Vorbereitung ist alles

Bei manchen Aufgaben gibt es keinen zweiten Versuch, ich muss mich also auf solche Situationen besonders gut vorbereiten. Dieser Grundsatz gilt für viele Tätigkeiten, besonders auch für Führungskräfte. Gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen ist es sehr wichtig, schnell, klar und deutlich zu kommunizieren. Das betrifft zum Beispiel das team-interne Konfliktmanagement, die Kommunikation für das Team nach außen oder Bewerbungsgespräche. Einmal gesprochene Worte können wir nicht zurückholen. Einmal gefällte Entscheidungen können wir oftmals nicht mehr ändern. Intensive Vorbereitung auf wichtige Gespräche oder Entscheidungen ist daher sehr wichtig.

(3) Menschen kennen

Mir scheint, dass besonders dieser Grundsatz oft unterschätzt wird. Unsere Trainerin hat uns während der Fortbildung intensiv befragt, was wir über unsere Teammitglieder wissen. Die Namen ihrer Kinder? Haben sie Haustiere? Wo waren sie zuletzt im Urlaub? Was würden sie gerne als Geburtstagsgeschenk erhalten?
Das ist offensichtlich viel mehr, als „nur“ zu wissen, welches Teammitglied welche besonderen Fähigkeiten und Stärken hat. Ich zumindest hatte auf viele dieser Fragen bei meinen ca. zehn Teammitgliedern keine Antwort und habe mir dieses Thema daher zu einem Grundsatz gemacht.
Für eine Führungsperson mit 20 oder mehr Teammitgliedern muss dies eine echt knackige Herausforderung sein. Doch gerade diese intensive Kenntnis des Teams erscheint mir maßgeblich dafür zu sein, ob eine Führungsperson Vertrauen erweckt oder nicht.

(4) Priorisieren

Mehr als andere Mitarbeitende muss ich als Führungskraft priorisieren. Eine weit verbreitete Krankheit unter Führungskräften ist es, alles zu tun und alles selbst zu tun. Erstens muss ich akzeptieren, dass es Aufgaben mit niedriger Priorität gibt, die ich einfach lassen (vielleicht sogar ignorieren) sollten. Zweitens muss ich lernen, Aufgaben zu delegieren und mich dann mehr auf die Ergebniskontrolle zu konzentrieren.
Dieser Grundsatz von Zeitmanagement und Selbstorganisation ist sicherlich für jede Person notwendig, die ihre Arbeit effizient erledigen und auch große Ziele erreichen möchte.

(5) Ein Netzwerk bilden

Gerade als neue Führungskraft fand ich es enorm wertvoll, mich mit anderen Führungskräften auszutauschen und besonders von ihren Fehlern zu lernen. Jedes Team hat überlicherweise nur genau eine Teamleitung, daher kommt man sich in dieser Position manchmal einsam vor. Es ist aber nicht nur lehrreich und entlastend, ein Netzwerk zu bilden. Für eine Organisation es ist besonders wichtig, dass gerade die Führungskräfte kooperieren, einer gemeinsamen Strategie folgen und eine gemeinsame Sprache haben, damit die Organisation als Ganzes funktionieren kann.

(6) Methoden wählen

Es gibt unzählige Methoden im Bereich Selbst- und Personalführung. Wenn ich ausgezeichnete Leistung anstrebe, muss ich einen Werkzeugkasten von Methoden entwickeln, die ich im Alltag immer wieder ausprobiere, verfeinere und irgendwann „nach Belieben“ einsetzen kann. Oft nutzen wir aber immer wieder die gewohnten Methoden, die wir einfach gut kennen und mögen. Das alte Sprichtwort „Wenn Du einen Hammer hast, sieht alles aus wie ein Nagel“, macht das Problem dabei deutlich: Unsere Herausforderungen ändern sich immer wieder und liebgewonnene Methoden mögen in manchen Situationen unpassend sein. Wenn wir also auch in unerwarteten Situationen erfolgreich sein wollen, müssen wir unseren methodischen Werkzeugkasten ständig ergänzen und optimieren.

Titelbild: Menschen und Maschinen: Stahlarbeiter (Jürgen Thenent)

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